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Listenaufstellung der BayernSPD

Am gestrigen Samstag haben die SPD-Delegierten aus den 46 Wahlkreisen darüber entschieden, wie hoch die Chance eines jeden Kandidaten ist, über die Landesliste (=Zweitstimme) in den Deutschen Bundestag einzuziehen.

Im Jahr 2013 haben von damals 45 Kandidaten 22 auf diesem Wege den Weg ins Parlament gefunden. Ein Direktmandat (über die Erststimme) konnte von keinem Kandidaten errungen werden.

Ich wurde von den Delegierten gestern auf den 46. Platz gewählt und kann damit entspannt davon ausgehen, dass ein Einzug in den Deutschen Bundestag wohl nur über die Direktwahl funktionieren kann. 😉

Warum habe ich keinen vorderen Platz erringen können? Weil die SPD ein Verfahren anwendet, das es neuen Kandidaten äußerst schwermacht, bei der ersten Kandidatur über die Landesliste erfolgreich zu sein. Über den Listenvorschlag, der schließlich von den Delegierten beschlossen werden soll, entscheiden der Landesvorstand und die Bezirksvorsitzenden. Diese haben das ungeschriebene Gesetz erfunden, dass alle bisherigen Bundestagsabgeordneten auf jeden Fall vordere (=sichere) Listenplätze einnehmen sollen. Anschließend sollen diejenigen Kandidaten zum Zuge kommen, die schon ein- oder mehrmals kandidiert haben.

Ergänzend gibt es Absprachen zwischen den Bezirksvorsitzenden, die dafür sorgen, dass jeder Bezirk nach einem Regionalproporz anteilig gute Plätze erhält. Zudem wird die Landesliste nach dem Reißverschlussprinzip (abwechselnd Mann-Frau) gebildet. Die Bezirke entscheiden jeweils vorab auf einem Bezirksparteitag darüber, in welcher Reihenfolge ihre Kandidaten auf den jeweiligen Plätzen auf der Landesliste gereiht werden. Letztes Kriterium: Wer eine gute Reihung auf einem Bezirksparteitag erzielen will, sollte über eine längere Zeit hinweg im Bezirksvorstand präsent gewesen sein.

Mein Problem:

  • Ich bin ein junger Kandidat, der zum ersten Mal antritt.
  • Ich bin männlich, was bei 11 männlichen und nur 4 weiblichen Kandidatinnen bedeutet, dass die oberbayerischen Männer automatisch eine hohe interne Konkurrenz haben und sich zum großen Teil auch auf den hinteren Landeslisten wiederfinden.
  • Ich bin Kandidat in einem komplett neuen Wahlkreis. Da dieser zudem erst zu Jahresbeginn neu festgelegt wurde, konnte zum Einen der Kandidat erst spät gefunden werden und zudem keine jahrelange Vorarbeit im Bezirksvorstand erfolgen.

Was bedeutet all das für mich?

Erstens will ich in naher Zukunft Vorschläge unterbreiten, wie eine solche Landesliste auch alternativ erstellt werden könnte. Jedes System der Listenerstellung hat seine Vor- und Nachteile und ich sage auch ganz klar, dass es nicht einfach ist, die Interessen der Bezirke in Einklang zu bringen. Aber: Sollen Regionalproporz zwischen den Bezirken und die Tatsache, ob jemand zum ersten Mal antritt oder bereits im Bundestag sitzt, wirklich wichtiger sein als die Qualifikation, die Anerkennung in der Bevölkerung oder das Engagement? Ich denke nicht und deshalb sollten wir uns z.B. Anregungen vom System der Grünen holen, die den Delegierten eine deutlich größere Freiheit bei der Wahl der Liste geben. Der Weg hin zu einem solchen System ist sicher nicht einfach, aber ich bin optimistisch!

Zweitens bedeutet das gestrige Ergebnis, das mich übrigens in keinster Weise überrascht hat, dass ich mit noch mehr Engagement dafür kämpfen will, eines der besten Erststimmenergebnisse in ganz Bayern für die SPD zu erringen. Warum nicht endlich wieder ein Direktmandat in meinem Wahlkreis holen? Ich werde mich nicht beschweren über das gestrige Ergebnis, nicht granteln, sondern anpacken. Deshalb freue ich mich auf die kommenden Monate und werde alles unternehmen, um ein bestmögliches Ergebnis für mich und die SPD zu holen!

Das funktioniert übrigens am besten durch den direkten Kontakt mit vielen Bürgerinnen und Bürgern und dadurch, dass man nicht nur Lösungen präsentiert, sondern zuhört und Fragen stellt um damit die Bedürfnisse der Bevölkerung besser wahrnehmen zu können. Für mich bedeutet das, dass ich meine Wahlkreistour schon in den nächsten Tagen fortführen werde. Am Mittwoch verteile ich meinen Weihnachtsgruß an der S-Bahn-Haltestelle Germering-Unterpfaffenhofen, am Donnerstag in Harthaus und am Freitag in Gauting!

5 Kommentare
  1. Jens
    Jens says:

    Lieber Christian, ich werde das Gefühl nicht los, dass wie immer das Verfahren zur Besetzung der Liste aussieht: Es benachteiligt bestimmte Menschen. Eine Anregung von meiner Seite: Wenn bestehende MdB einen „Vortritt“ haben – begrenzt dies Vortrittsoption auf 3 Legislaturperioden! Denn sonst können sich Erbhöfe entwickeln und jemand > 20 Jahre im Bundestag sitzen. Wie auch immer: Ich habe Dich als einen unglaublich positiven und aktiven jungen Mann kennen gelernt und auch die Teile Deines Teams, die ich habe kennen lernen dürfen, hatten Herz und (!) Hirn. Insofern drücke ich Dir wirklich von Herzen die Daumen!!! Gegen die Verkrustung in Bayern als junger Mann „anzustinken“ ist echt kein Zuckerschlecken – aber gerade deshalb hoffe ich, dass Du viel Zuspruch von unterschiedlicher Seite erfahren wirst. Ob Dich der Zuspruch zum Erfolg trägt, weiß ich nicht. Aber ich hoffe zumindest, dass Du am Ende sagen kannst: Der Weg an sich war bereits eine riesige persönliche Bereicherung! Dir und Deinem Team alles Gute aus Leipzig! Jens Katzek

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    • Andreas Schöpf
      Andreas Schöpf says:

      Den Vorschlag mit der Begrenzung auf eine bestimmte Anzahl von Legislaturperioden finde ich ausgezeichnet! Ich denke auch schon einige Zeit in diese Richtung. Wobei ich es eher auf 2 Amtszeiten beschränken würde. Meine Intention dabei ist: Jeder MdB hatte dann 8 Jahre lang Zeit, durch gute Arbeit im Parlament und in seinem Wahlkreis die Voraussetzungen dafür zu schaffen, im 3. Anlauf das Direktmandat zu holen. Dann braucht er ohnehin keinen „sicheren“ Listenplatz mehr.

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    • Christian Winklmeier
      Christian Winklmeier says:

      Lieber Jens, ganz herzlichen Dank für Deine Rückmeldung. Ja, Dein Vorschlag hat absolut Charme. Ich hoffe mal, die „Verkrustung“ hält sich in Deinem Landesverband im Rahmen und Du kannst auf einen guten Listenplatz setzen. Ansonsten wünsche ich Dir natürlich auch nur das Beste für Deinen ganz persönlichen Wahlkampf. Die Weichen haben wir ja gestellt, einen Deiner Unterstützer habe ich ja kennenlernen dürfen und ich bin überzeugt, dass Ihr beide und das sonstige Team das wuppt! Und ja: Am Ende sollten wir nicht nur die reinen Zahlen sehen, sondern diese intensiven Monate. Diese werden uns prägen und darauf sollten wir uns freuen! Herzliche Grüße aus dem Süden, Christian

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  2. Andrea Schaal
    Andrea Schaal says:

    Lieber Christian, ja so ist das und so viele gute Leute sind deshalb schon zu den Grünen abgewandert. Lass dich nicht unterkriegen. Bis Donnerstag in Gemering. Andrea

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    • Christian Winklmeier
      Christian Winklmeier says:

      Liebe Andrea, wir kämpfen weiter und damit werden wir Erfolg haben. Davon bin ich voll und ganz überzeugt! Ich freue mich, Dich am Donnerstag zu sehen! Liebe Grüße, Christian

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